Puch Maxi Beschleunigungsrennen: Indianapolis des Vulkanlands

Beim Beschleunigungsrennen in Merkendorf verwandeln sich jahrzehntealte Zweitakt-Mopeds in Rennmaschinen – und ein ganzes Kultgefährt in gelebte Erinnerung. Was die Dragster-Szene am Indianapolis Motor Speedway zelebriert, feiert die Puch-Maxi-Gemeinde auf einer unscheinbaren 80-Meter-Strecke am Gelände einer Bäckerei im steirischen Vulkanland.

PUCH MAXI BESCHLEUNIGUNGSRENNEN MERKENDORF - Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1 Wien

Merkendorf als Pilgerstätte: Seit 2016 ein Fixpunkt im Vulkanland

Seit seiner Premiere am 27. August 2016 hat sich das Puch Maxi Beschleunigungsrennen des Puchvereins Merkendorf am sogenannten Ertl-Ring, dem Areal der Bäckerei Ertl, zum festen Bestandteil des steirischen Vulkanland-Kalenders entwickelt. Was als kleine Rennsportveranstaltung mit drei Klassen begann, zog bei der zehnjährigen Auflage bereits rund 900 Gäste aus der gesamten Südoststeiermark an, bei anderen Austragungen bewegten sich die Zuschauerzahlen zwischen 500 und 1.500 Personen. Betroffen von diesem kuriosen Spektakel ist in erster Linie die eingefleischte Puch-Maxi-Szene, die sich aus ganz Österreich anreist, um ihre liebevoll restaurierten und mitunter radikal umgebauten Mofas auf der kurzen Strecke zu testen. Die vollständige Chronik der bisherigen Austragungen dokumentiert meinbezirk.at Südoststeiermark, historische Hintergründe zum Veranstaltungsort liefert die Ankündigungsseite des Ersatzteilhändlers rbo.at.

MotoGP des kleinen Mannes: Vier Klassen, 80 Meter, bis zu 100 km/h

Der sportliche Ablauf folgt einem bewährten Schema: In bis zu vier Wertungsklassen – von der originalgetreuen Maxi über Umbauten bis 50 Kubikzentimeter bis hin zur offenen Königsklasse, in der lediglich der Rahmen noch von einem Puch Maxi stammen muss – treten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einer 80 Meter langen Beschleunigungsstrecke gegeneinander an. Die schnellsten Pilotinnen und Piloten erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h, bei früheren Austragungen entschieden mitunter Hundertstelsekunden über Sieg und Niederlage. Das technische Fundament für diesen Kult bildet das 1969 von den Grazer Puch-Werken vorgestellte Maxi, Nachfolger der umgangssprachlich „Schwarze Sau“ genannten Puch MV50 und erstes Modell der Marke mit Fliehkraftkupplung – jener automatischen Schaltung, die das Maxi einst zum massentauglichen Fortbewegungsmittel einer ganzen Jugendgeneration machte. Die technischen Details zur Entstehung des Kultmopeds fasst die Markengeschichte von HS Retro zusammen.

Bewertung: Nostalgie als Motor einer eigenen Rennsport-Legende

Dass ausgerechnet ein jahrzehntealtes Alltagsmofa zum Mittelpunkt einer eigenen, respektablen Motorsport-Tradition werden konnte, sagt viel über die emotionale Bindung aus, die das Puch Maxi bis heute auslöst. Der Vergleich mit Indianapolis mag auf den ersten Blick überzogen wirken, trifft aber einen wesentlichen Kern: Wie am berühmten Speedway in Indiana geht es auch am Ertl-Ring um nichts anderes als die reine, unverfälschte Beschleunigung – nur eben im Miniaturformat, mit Zweitaktgeruch statt Kerosindunst und einer Fangemeinde, die ihre Maschinen selbst schraubt, statt sie von Mechanikerteams betreuen zu lassen. Diese Bodenständigkeit macht den Reiz der Veranstaltung aus: Hier treffen sich keine Profiteams, sondern Menschen, für die das Maxi weit mehr ist als ein Fahrzeug – es ist ein Stück gelebter Jugend, das auf 80 Metern noch einmal zeigen darf, was in ihm steckt. Eine atmosphärische Reportage vom Renntag selbst liefert der Bericht über die „Maxi-Power“ in Merkendorf.

Chris Ernst

Chris Ernst, freier Journalist und Publizist zwischen Wien, Hamburg und Madrid. Mitglied im Österreichischen Journalisten Club (ÖJC). Seit 1995 im Journalismus, mit den Schwerpunkten Politik, Tourismus, Wirtschaft, Identität und Sicherheit.

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