Wiener Studenten nicht auf Krawall gebürstet: Tausende demonstrierten friedlich

Bei der groß angekündigten Massendemonstration war schnell klar: Die Proteste waren irgendwo zwischen Fridays for Future und Christopher Street Day (CSD) zu verorten. Kein Wunder also, dass die Polizei zwar präsent war, sich aber eher für Smart Casual und gegen Kampfmonturen entschieden hatte.

ALARMSTUFE ROT - kein Grund zur Panik. Die Massendemonstration in Wien verlief friedlich. Die Polizei zeigte zwar Präsenz, flankierte die Bewegung des Demonstrationszuges aber komplett passiv. Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1, Wien

Wien erlebte einen geordneten Aufmarsch: Tausende Studenten, Dozenten und Uni-Mitarbeiter zogen am Donnerstag unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ durch die Innenstadt. Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) protestierte gegen die drohenden Einschnitte beim Universitätsbudget.

Vom Resselpark über den Ring

Ab 15 Uhr füllte sich der Resselpark vor der Technischen Universität Wien (TU Wien). Um etwa 16 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung: über den Karlsplatz und gegen die Fahrtrichtung auf den Ring, weiter zum Franz-Josefs-Kai und schließlich vor das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphina. Die Polizei hatte im Vorfeld mit mehr als 20.000 Teilnehmern gerechnet. Die Ringstraße blieb ab dem frühen Nachmittag gesperrt.

Ein Denkmal mit verhülltem Kopf

ALARMSTUFE ROT - kein Grund zur Panik. Die Massendemonstration in Wien verlief friedlich. Die Polizei zeigte zwar Präsenz, flankierte die Bewegung des Demonstrationszuges aber komplett passiv. Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1, Wien

Den eindringlichsten Kommentar lieferte ein Denkmal. Am Sockel der Bronzefigur im Resselpark klebte das Kampagnenplakat, über ihren Kopf hatten Aktivisten ein schwarzes Tuch gezogen und mit blauem Band festgezurrt. Die Erklärung hing gleich daneben, auf einem schmalen Papierstreifen: „Wer an Unis und Forschung spart, geht blind in die Zukunft!“ Selten kam eine Protestbotschaft mit so sparsamen Mitteln aus.

Bei der groß angekündigten Massendemonstration war schnell klar: Die Proteste waren irgendwo zwischen Fridays for Future und Christopher Street Day (CSD) zu verorten. Kein Wunder also, dass die Polizei zwar präsent war, sich aber eher für Smart Casual und gegen Kampfmonturen entschieden hatte.Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1, Wien

Milliarden im Hintergrund

Der Anlass ist handfest. Bis 31. Oktober muss die Bundesregierung das Budget der Universitäten für die Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030 festlegen. Im Bundesfinanzrahmen sind dafür 15,5 Milliarden Euro vorgesehen.

Die Universitätenkonferenz (uniko) veranschlagt allein für den Ausgleich der Teuerung 18 Milliarden Euro und warnt vor dem Verlust jeder zehnten Stelle an den Hochschulen. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner von der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) hatte zuletzt erklärt, die Forderungen seien angesichts des Spardrucks unerfüllbar.

Polizisten als Schülerlotsen

Im Vorfeld hatte die Sorge die Runde gemacht, die gewaltsamen Bildungsproteste in Frankreich könnten auf Österreich überspringen. Die Landespolizeidirektion Wien (LPD Wien) hielt das für unwahrscheinlich, und der Nachmittag gab ihr recht. Die Polizisten in Dienstjacke und Barett erinnerten an eine Truppe bemühter Schülerlotsen, die den Verkehr rund um die Demonstration regelten.

ALARMSTUFE ROT - kein Grund zur Panik. Die Massendemonstration in Wien verlief friedlich. Die Polizei zeigte zwar Präsenz, flankierte die Bewegung des Demonstrationszuges aber komplett passiv. Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1, Wien

Pappschilder und Trillerpfeifen

Den Ton gaben die Studenten selbst an, mit Schildern wie „(Ab)Kürzungen“ oder „Listen to the Students“, mit Pfiffen und erhobenen Händen. Der Protest war laut, bunt und durchweg gelassen.

ALARMSTUFE ROT - kein Grund zur Panik. Die Massendemonstration in Wien verlief friedlich. Die Polizei zeigte zwar Präsenz, flankierte die Bewegung des Demonstrationszuges aber komplett passiv. Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1, Wien

Die Frist läuft

Ob der Protest Wirkung zeigt, entscheidet sich in den kommenden Tagen, wenn die Regierung ihre Zahlen vorlegen muss. Die Studenten haben ihre Botschaft unübersehbar platziert, an einer Statue, die blind in die Zukunft blickt.

ALARMSTUFE ROT - kein Grund zur Panik. Die Massendemonstration in Wien verlief friedlich. Die Polizei zeigte zwar Präsenz, flankierte die Bewegung des Demonstrationszuges aber komplett passiv. Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1, Wien

Chris Ernst

Chris Ernst, freier Journalist und Publizist zwischen Wien, Hamburg und Madrid. Mitglied im Österreichischen Journalisten Club (ÖJC). Seit 1995 im Journalismus, mit den Schwerpunkten Politik, Tourismus, Wirtschaft, Identität und Sicherheit.

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