Frauenlauf Wien 2026: 31.113 Starterinnen und zwei Streckenrekorde im Prater

Am letzten Maisonntag gehörte die Prater Hauptallee den Frauen. Der 38. ASICS Österreichische Frauenlauf verzeichnete so viele Teilnehmerinnen wie seit der Pandemie nicht mehr, und an der Spitze fielen gleich zwei Bestmarken, darunter eine aus dem Jahr 2003.

38. ASICS Österreichische Frauenlauf durch den Prater in Wien - Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1 Wien

31. Mai 2026: Der Prater im Zeichen von „HERE FOR MORE“

Unter dem Motto HERE FOR MORE fand der 38. ASICS Österreichische Frauenlauf am Sonntag, dem 31. Mai 2026, auf der Wiener Prater Hauptallee statt. Um 9 Uhr gingen die Läuferinnen über fünf Kilometer ins Rennen, um 10.25 Uhr folgte die Zehn-Kilometer-Distanz, den Abschluss bildeten um 11.05 Uhr die Nordic Walkerinnen. Die Route führte traditionsgemäß auch durch den Wurstelprater. Registriert wurden exakt 31.113 Frauen und Mädchen aus 87 Nationen, womit die Veranstaltung erstmals seit der pandemiebedingten Unterbrechung wieder die Schwelle von 30.000 überschritt. Bereits Anfang Mai war das Kontingent erschöpft, über 1.000 Interessierte standen auf der Warteliste. Bemerkenswert erscheint die Altersstruktur: Über 131 eingebundene Schulen fanden 6.217 Mädchen unter 18 Jahren den Weg in den Prater, während die längere Strecke mit 7.230 Meldungen einen historischen Höchstwert erreichte. Sämtliche Zeiten sind in der offiziellen Ergebnisliste abrufbar, Fotos und Videos versammelt die Rückschau der Veranstalterin.

Siegerin über die Langdistanz wurde Julia Mayer (DSG Wien). Hier vor der ikonischsten Kulisse des gesamten Rennens: dem Wiener Riesenrad. Foto: Chris Ernst, Redaktionsnetzwerk PR1 Wien

Spitzensport auf der Hauptallee: Gitonga und Mayer schreiben Rekordgeschichte

Im Elitelauf über fünf Kilometer setzte sich die Kenianerin Purity Gitonga unmittelbar nach dem Startsignal vom Feld ab und absolvierte die gesamte Distanz solo. Nach 14:41 Minuten erreichte die 29-Jährige das Ziel, unterbot die Bestmarke ihrer Landsfrau Gladys Chepkurui aus dem Jahr 2021 und steigerte zugleich ihre persönliche Bestzeit um 18 Sekunden. Dahinter entspann sich ein Dreikampf um Rang zwei, den Taylor Werner aus den USA in 15:30 Minuten vor der Belgierin Lisa Rooms (15:34) für sich entschied. Lisa Redlinger von der TS Lustenau verlor erst auf dem letzten Kilometer den Anschluss und wurde in 15:37 Minuten Vierte, drei Sekunden über ihrem eigenen Rekord des Österreichischen Leichtathletik-Verbands (ÖLV). Cordula Lassacher (ATUS Knittelfeld) blieb als Fünfte mit 15:55 Minuten ebenfalls unter der 16-Minuten-Marke.

Auf der doppelten Distanz dominierte Julia Mayer (DSG Wien) bei steigenden Temperaturen. Die Marathon-Spezialistin erhielt vier Kilometer lang Tempohilfe durch die Deutsche Katharina Steinruck und bewältigte die zweite Hälfte allein. Mit 33:34 Minuten löschte sie den 23 Jahre alten Streckenrekord von Dagmar Rabensteiner. Ihr Vorsprung auf die Südtirolerin Lia Patscheider betrug 1:19 Minuten, Dritte wurde die Slowakin Renata Klamova in 36:26. Die Entwicklung der Bestzeiten seit 1988 dokumentiert die Siegerinnenliste des Österreichischen Frauenlaufs.

Bilanz: Ein Massenlauf mit Haltung und Breitenwirkung

Der 38. Frauenlauf vereinte zwei Ebenen, die selten so nahtlos ineinandergreifen: internationale Spitzenleistung und kollektive Freude an der Bewegung. Zwei Streckenrekorde an einem Vormittag markieren den sportlichen Höhepunkt einer Veranstaltung, die seit 1988 existiert und bis 1991 im Schlosspark Laxenburg ausgetragen wurde; seit der Premiere haben über 527.000 Frauen und Mädchen teilgenommen. Ihr Anliegen formulierte Initiatorin Ilse Dippmann knapp: „Du darfst dir etwas zutrauen. Du darfst ambitioniert sein.“ Gerade für Frauen, die nach einer längeren Pause wieder in Bewegung kommen möchten, erweist sich das Format als niedrigschwelliger Zugang: Die Bandbreite reicht vom Nordic Walking bis zur Zehn-Kilometer-Distanz, und die Atmosphäre im Prater verwandelt individuelle Anstrengung in ein Gemeinschaftserlebnis. Wer den Schwung des Frühsommers mitnehmen will, findet in den kostenlosen Frauenlauftrainings der Herbstsaison ein strukturiertes Angebot zur Vorbereitung auf die 39. Auflage.

Chris Ernst

Chris Ernst, freier Journalist und Publizist zwischen Wien, Hamburg und Madrid. Mitglied im Österreichischen Journalisten Club (ÖJC). Seit 1995 im Journalismus, mit den Schwerpunkten Politik, Tourismus, Wirtschaft, Identität und Sicherheit.

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